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Tagesstruktur / Förderstätte

Die Maßnahme „Schaffung von Tagesstruktur in der Förderstätte" ist seit 2004 integrativer Bestandteil der Leistungs- und Vergütungsvereinbarung des Einrichtungstyps „Wohnstätte für Menschen mit außerordentlichem Hilfebedarf". Es handelt sich dabei um eine Eingliederungshilfe, die in den Paragrafen 53-60 SGB XII gesetzlich geregelt ist.

Die vereinsinterne Tagesstrukur/Förderstätte hat den Auftrag, den nicht, noch nicht und nicht mehr werkstattfähigen Bewohnern und Bewohnerinnen des St. Nicolaiheimes als tagesstrukturierende Maßnahme eine regelmäßige heil- und sozialpädagogische Förderung außerhalb der Wohngruppen anzubieten. Im Einzelfall steht sie auch Menschen mit Behinderungen als teilstationäre Maß­nahme zur Verfügung, die in der Region leben, z. B. noch im Elternhaus, und nicht in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung eingegliedert werden können.

Um dem Förder- und Teilhabebedarf der Bewohner und Bewohnerinnen mit Schwerst- Mehrfachbehinderung des St. Nicolaiheimes gerecht zu werden, haben wir entsprechend dem "Normalisie­rungsprinzip" und dem „Zwei-Milieu-Prinzip" kon­zeptionell die Idee verankert, dass jeder Bewohner und jede Bewohnerin, unabhängig von der Schwere seiner Behinderung, morgens das Haus verlässt. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin besucht täglich gesonderte Räumlichkeiten, um in anderen sozialen Bezügen als denen der Wohngruppe einer Aktivität im Sinne von Förderung und Teilhabe am Le­ben der Gemeinschaft und Gesell­schaft nachzugehen.

Den Bewohnern und die Bewohnerinnen mit außerordentlichem Hilfebedarf stehen folgende Förderstätten zur Verfügung:

  • Förderstätte Lindenhof in Winnemark
  • Förderstätte Süderbrarup
  • die mobile Förderstätte des Hauses "Sonneneck"

Pädagogischer Auftrag

Die Förderarbeit wird von den individuellen Verhaltensbesonderheiten der Menschen mit Behinderungen bestimmt, wobei die festen Strukturen, d. h. die Personalkonstanz, die Einhaltung des Aktivitätenplanes sowie die Akzeptanz und Entwicklung von Ritualen die Rahmenbedingungen zum Lernen und Entwi­ckeln von Handlungskompetenz sind. Die Förderinhalte betreffen vornehmlich die Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie das Sozialverhalten.

Die Tagesstruktur/Förderstätte arbeitet nach einem Wochenplan, der Förder-, Arbeits- und Aktionsangebote beinhaltet, die in bestimmten, wechselnden und vereinsinternen Räumlichkeiten stattfinden oder auch an öffentlichen Orten.

Der Schwerpunkt der Förderarbeit liegt in der Stärkung "des Ichs", der Kommu­nikati­onsanbahnung, dem Erhalt von lebenspraktischen Fähig- und Fertigkeiten und der Vermittlung sozialer Handlungskompetenz, mit dem Ziel, eine um­fangrei­che Teilhabe am Leben der Gemeinschaft und im öffentlichen Umfeld zu er­möglichen.

Eine wichtige Grundlage der Arbeit ist die Wahrnehmungsförderung. Dadurch können die sieben Sinne angesprochen, angeregt und ausgebaut werden: Hautempfinden (taktile oder somati­sche Wahrnehmung), Tiefensensibilität (vibratorische Wahrneh­mung über Muskeln, Sehnen und Bänder), Gleichgewichtssinn (vestibuläre Wahrneh­mung), Schmecken (gustatorische Wahrnehmung), Riechen (olfaktorische Wahrnehmung), Hören (auditive Wahrnehmung) und Sehen (visuelle Wahrnehmung).

Menschen mit einer schweren Behinderung sind bei der Erfahrung von gezielten körperlichen Reizen auf fremde Hilfe angewiesen. Deshalb hat die Förderung der Körperwahrnehmung einen hohen Stellenwert. Denn: Körpererfahrungen dienen der Orientierung und stärken die Selbstwahrnehmung und das Wohlbefinden.

Die Wahrnehmungsförderung erfolgt mittels folgender Methoden und Medien:

  • Basale Stimulation
  • Musik- und Klangangebote
  • Geruchs- und Geschmacksangebote
  • Angebote im Bereich der Psychomotorik (Airtramp, schiefe Ebene, Rollbrett, Sandwichmatte, Schaukel)
  • Snoezelen (Kugelbad, Pränatalraum, Schwarzlichtraum, Resonanzboden)
  • Bewegungsförderung (Schwimm-AG, Walking-Gruppe und heilpädagogisches Reiten)
  • Sinnesgarten.

Die Förderung des Sozialverhaltens erfolgt zugleich einfühlsam und sehr konsequent. Der Umgangsstil gleicht einem pädagogisch-therapeutischen Verhaltenstraining.

Da die Fähigkeit, in der Gemeinschaft leben zu können, die Voraussetzung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ist, steht ihre Aufrechterhaltung und Stärkung im Vordergrund der pädagogischen Arbeit.

Die Aufrechterhaltung und Stärkung der Gemein­schaftsfähigkeit steht im Vordergrund, die Voraussetzung zur Teilhabe am Le­ben in der Gemeinschaft ist. Die Akzep­tanz von Verhaltensregeln wird durch unten aufgeführte Methoden vermittelt und gefestigt:

  • Verhaltenstherapeutische Ansätze
  • Unterstützte Kommunikation
  • TEACCH (zu Deutsch etwa: „Behandlung und pädagogische Förderung von Kindern mit Autismus und damit in Zusammenhang stehenden kommunikativen Einschränkungen")

Da einige Menschen mit Behinderung durchaus in der Lage sind, manuell gezielt zu agieren, wurde eine Werkgruppe eingerichtet, in der in begrenztem Umfang einfachste Handlungssequenzen zu kleinen Arbeiten zusammengeführt werden.

Bedeutung der Teilnahme für die Menschen mit Behinderung

Schon bei der täglichen Begrüßung zeigt sich Freude und positive Erregung und Erwartung. Einige Menschen mit schwierigen Gefühlslagen haben sich durch die Teilnahme innerhalb kürzester Zeit soweit verändert, dass sie zufriedener und ausgeglichener im häus­lichen Alltag geworden sind, was vielfach aus den Wohngruppen rückgemeldet wird. Die Teilhabe am Schaffensprozess einer Tagesstruktur innerhalb der Förderstätte, entsprechend dem „Zwei-Milieu-Prinzip" wird von den Menschen mit Behinderung als verlässliche Re­gelmäßigkeit erwartet und von ihnen als selbstverständlich empfunden.

Für die Menschen mit Behinderung hat der Vormittag in der Tagesstruktur/ Förderstätte eine besondere Bedeutung. Sie finden einen überschauba­ren Rahmen und einen sich regelmäßig wiederholenden Ablauf vor, der ihnen Sicherheit, Halt und Orientierung gibt und ihren Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmechanismen sowie ihrem persönlichen Hilfebedarf entspricht. 

Organisatorische und räumliche Struktur

Die Tagesstruktur/Förderstätte hält ein gruppenübergreifendes Angebot ver­schiedenster Aktivitäten im Sinne eines themenzentrierten Kurssystems bereit, das vor dem Hintergrund einer dennoch festen Struktur mit gleichbleibenden Gruppen, die an unterschiedlichen Orten stationiert sind, funktioniert.

Das geschieht in der:

  • Förderstätte Süderbrarup (24392 Süderbrarup)
  • Förderstätte Lindenhof (24398 Winnemark)
  • Förderstätte Oersberg (24407 Oersberg)
  • Förderstätte FöDö-Mobil ( Anlafstelle Haus Sonneneck I in 24398 Dörphof)

Die Förderstättenarbeit findet von Montag bis Freitag täg­lich mindestens 4 Stunden für jeden Bewohner beziehungsweise jede Bewohnerin statt. Die Förderstättengruppen bestehen in der Regel aus acht bis zwölf Bewohnern und Bewohnerinnen. Betreut und gefördert werden die Gruppen jeweils von zwei bis vier Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die personelle Besetzung ist abhängig von den jeweils angebote­nen Aktivitäten.

Erfolge werden im Wesentlichen durch eine einschätzbare und Sicherheit gebende Kontinuität in den Abläufen und Prozessen erreicht. Die Tagesstruktur/Förderstätte wird von den Bewohnern und Bewohnerinnen des Bereichs "Intensiv Unterstütztes Wohnen und Arbeiten" gut angenommen und hat sich als erfolgreiche Maßnahme zur Normalisierung und Teilhabe am Leben der Gemeinschaft bewährt.