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Zusatzangebot "Schulische Integration"

Personenkreis

An der Maßnahme der Schulischen Integration nehmen Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter teil, die in den Wohngruppen des Jugendhilfebereiches des St. Nicolaiheimes leben und zur Zeit aus unterschiedlichsten Gründen nicht beschulbar sind bzw. den Regelschulbesuch verweigern. Die Schwierigkeiten äußern sich in Konzentrationsstörungen, in aggressivem und sozial unangemessenem Verhalten. Regeln und getroffene Vereinbarungen und Abmachungen werden häufig nicht eingehalten.

Vornehmlich ist dies ein Angebot für normal begabte und lernbehinderte Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter. Die Gründe für die Verweigerungshaltung der Mädchen und Jungen bzw. Nicht-Beschulbaren, die an diesem Zusatzangebot teilnehmen, sind für jeden Einzelnen sehr individuell und komplex. Mehrere Gründe können ausschlaggebend für Schulabsentismus oder Unterrichtsboykott sein, häufig werden genannt:

  • Misserfolgserlebnisse in der Vorgeschichte aufgrund von Überforderung
  • Gescheiterte Schulbesuche in der Vergangenheit
  • Bereits langer Schulabsentismus durch Klinikaufenthalte, Hilflosigkeit von Eltern und Helfern
  • Impulskontrollverlust, ADHS- Problematik
  • Autistische Störungsbilder
  • Unfähigkeit den Alltag zu meistern als Folge früherer Traumatisierungen
  • Große Abweichungen zwischen Schul- und Lebenswelt 

Die „Schulische Integration“  versteht sich nicht als Schulersatz und soll auch nicht der Schulpflichterfüllung dienen.

Ziele

Durch gezielte Unterstützung und Förderung soll eine Wieder- bzw. Ersteingliederung der Kinder und Jugendlichen in eine öffentliche Schule erreicht werden, damit die gesetzliche Schulpflicht erfüllt wird und der bestmögliche Bildungsabschluss erzielt werden kann.

Sehr wichtig ist, den betreuten Kindern und Jugendlichen  erneut bzw. erstmals Freude am Lernen zu vermitteln und „das Lernen zu lernen“. Zudem dient die „Schulische Integration“ auch der Hinführung zu Unterrichtssituationen.

Parallel dazu müssen soziale Kompetenzen, z. B. Selbstkontrolle, Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen, Kooperationsbereitschaft und das Akzeptieren und Einhalten von Regeln und Vereinbarungen erworben werden.

Dazu ist es häufig zunächst erforderlich Lücken/ Defizite im Unterrichtsstoff aufzuarbeiten bzw. die Kinder und Jugendlichen in Kooperation mit den Lehrkräften der aufnehmenden Schule auf den dort derzeit unterrichteten Unterrichtsstoff vorzubereiten.

Finanzierung

Mit dem Leistungsträger wird im Rahmen der Hilfeplanung die Notwendigkeit der Teilnahme an der Maßnahme „Schulische Integration“ festgestellt.

Hierbei  handelt es sich um ein Zusatzangebot, für das in unserer Entgeltvereinbarung ein gesonderter Entgeltbestandteil vereinbart ist.

personelle Ausstattung, Räumlichkeiten

In der „Schulischen Integration“  werden nur Kinder und Jugendliche aufgenommen, die in den Wohngruppen des Jugendhilfebereiches des St. Nicolaiheimes Sundsacker e.V. leben.

Die schulische Förderung erfolgt mit einer personellen Besetzung von 0,75 Lehrkräften und 1,0 sozialpädagogischen Fachkräften im Verhältnis zu 6 Schülerinnen und Schülern.

Die Räumlichkeiten befinden sich in der Gemeinde Dörphof und sind daher für die Kinder und Jugendlichen, aufgrund der räumlichen Nähe zu den umliegenden Gruppen, gut erreichbar.

Für die Arbeit stehen zur Verfügung: Zwei Unterrichtsräume, ein Kreativraum, das Lehrerbüro mit Teeküchenbereich sowie die üblichen sanitären Gegebenheiten. Es stehen sowohl Gruppen- als auch Einzelarbeitsplätze zur Verfügung.

Kooperationen

Mit der Aufnahme in das St. Nicolaiheim wird zunächst eine Anmeldung an der zuständigen Schule (Förderzentrum „Lernen“, Grundschule, Gemeinschaftsschule) vorgenommen. In Kooperation mit allen Beteiligten (Eltern und/oder Personensorgeberechtigte, Schule, Schulamt und Einrichtung) werden die Kinder und Jugendlichen zunächst vom Regelschulbesuch beurlaubt.

Von Anfang an besteht dann ein enger Austausch mit der jeweils zuständigen Schule, in die das Kind / der Jugendliche integriert werden soll (Einsicht in die Schulakte, Erhalten der Unterrichtsmaterialien).

Eine enge Zusammenarbeit besteht ebenfalls mit dem heilpädagogischen und psychologischen Dienst des Jugendhilfebereiches. So kann zum Beispiel eine Diagnostik des jeweiligen Begabungsprofils erfolgen, Teilleistungsschwächen werden ergründet, autistische Auffälligkeiten abgeklärt. Ggf. kann hieraus eine notwendige Veränderung der Schulart für das Kind / den Jugendlichen resultieren.

Daneben findet ein täglicher Austausch mit der jeweiligen Wohngruppe statt, nach Bedarf Teilnahme an den dortigen Team- oder Hilfeplangesprächen.

Arbeitsweise / Methodik

Am Leitbild der Einrichtung orientiert ist das Grundsätzliche und Wesentliche im Umgang mit den SchülerInnen eine annehmende und wertschätzende Grundhaltung des Unterrichtenden.

Der Unterricht findet in der Regel zwischen 2 und 4 Schulstunden von montags bis freitags in der Zeit von 08.00 Uhr – 13.00 Uhr mit Ausnahme der Schulferien im Bundesland Schleswig-Holstein statt.

Der Zeitraum der Teilnahme am Unterricht wird sehr individuell festgelegt und richtet sich zunächst nach den Fähigkeiten und Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen.

Der Tagesablauf ist eng strukturiert und bietet feste Bezugsgrößen.

In der „Schulischen Integration“ geht es nicht primär um Unterrichtsstoffvermittlung. Es wird die individuelle Problematik des Kindes / Jugendlichen aufgegriffen und trotz der Schwierigkeiten eine positive Lerneinstellung gefördert. Dabei wird der Grundwissensvermittlung eine wesentliche Bedeutung beigemessen, dies besonders in Deutsch, Mathematik ggf. Englisch.

Der Unterricht ist geprägt durch eine Kombination aus schulischer und heilpädagogischer Arbeit. Durch individuelle Hilfe und Betreuung werden Lern- und Schulschwächen aufgearbeitet. Ausgangssituation ist, dort zu beginnen, wo sich die  Kinder und Jugendlichen in ihrem Lernverhalten und im jeweiligen Unterrichtsstoff befinden, so kann es vorkommen, dass mit einem 14jährigen zunächst das kleine 1x1 geübt werden muss. Der Unterricht ist hoch differenziert und individuell ausgerichtet und orientiert sich an den Fähigkeiten und Möglichkeiten der Schüler.

Insbesondere die Entwicklung und Festigung von Ich-, Sach- und Sozialkompetenz über Gruppen- und Einzelarbeit sollen den Schülern neue Teilnahmemöglichkeiten im schulischen Bereich eröffnen. Die Einhaltung von Regeln und die positive Verstärkung jeder geringfügigen (pro-) sozialen Tendenz haben auch in den Unterrichtsphasen eine wichtige Bedeutung.

Die Dauer der Unterstützung wird individuell festgelegt und orientiert sich an den jeweiligen Problemsituationen des Einzelnen. Grundsätzlich gilt: „So kurz wie möglich, solang wie nötig!“

Der Verlauf der Maßnahme wird dokumentiert und schulhalbjährlich bzw. beim Wechsel auf eine öffentliche Schule in einem Bericht dargestellt.

Integration

Wenn alle Beteiligten zu der gemeinsamen Einschätzung gelangen, dass bei dem Kind / Jugendlichen eine Wieder- oder Ersteingliederung in die Schule gelingen könnte, beginnt der Prozess der Integration in die jeweilige Schule und in den Klassenverband.

Die Vorgehensweise dabei erfolgt sehr individuell, beginnend mit Kurzkontakten (Schnuppertagen), Unterrichtsverkürzungen, Teilnahme nur an bestimmten Fächern, zeitweiliger Begleitung.

Fortlaufend werden Gespräche mit der jeweiligen Schule und dem Kind / Jugendlichen geführt, um die Integration leichter zu gestalten und sehr eng zu begleiten. Dadurch kann in möglichen Krisensituationen schnell und bedarfsgerecht interveniert werden.

Falls erforderlich, kann auch erneut der Unterricht in der „Schulischen Integration“ geboten sein.