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Zusatzangebot "Intensive Betreuung"

Für Kinder und Jugendliche mit extremer Problematik, die den personellen Rahmen unserer Wohngruppen sprengen, gibt es in Abhängigkeit von der Gesamtbelegung der Wohnhäuser das Zusatzangebot der „Intensiven Betreuung“. Hierbei liegen so gravierende Störungen  vor, dass eine Integration in eine unserer Wohngruppen nicht mit den vorhandenen Angeboten zu realisieren ist.

Folgende Auffälligkeiten und Störungen können bei den Kindern / Jugendlichen für sich oder zusammen vorliegen:

  • die Gruppenfähigkeit ist nicht vorhanden oder stark eingeschränkt
  • stark ausgeprägter Impulskontrollverlust
  • ausgeprägte autistische Auffälligkeiten
  • die Beschulbarkeit ist gar nicht oder kaum vorhanden
  • ausgeprägte Bindungsstörungen
  • stark eigen- oder fremd gefährdendes Verhalten
  • erhebliche Auswirkungen einer posttraumatischen Belastungsstörung

Ziele

Durch konzentrierte personelle Zuwendung und sehr individuelle Förderung soll das Kind / der Jugendliche dahin geführt werden, mit seiner individuellen Problematik besser umgehen zu können.

Ziel der zusätzlichen intensiven Betreuung ist:

  • Das Kind / der Jugendliche ist in der Lage, ohne zusätzlichen personellen Einsatz im Verband seiner Wohngruppe den pädagogischen Alltag zu bewältigen
  • Bei Einsatz einer zusätzlichen Vollzeitkraft: Das Kind / der Jugendliche ist in der Lage, ohne Begleitung oder Rufbereitschaft den Schulalltag zu bewältigen
  • Das Kind / der Jugendliche kann auch ohne Begleitung im Rahmen seiner Möglichkeiten an Dingen des öffentlichen Lebens teilnehmen (Veranstaltungen, Mitgliedschaft im Sportverein etc.)
  • Parallel dazu müssen soziale Kompetenzen, z. B. Selbstkontrolle, Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen, Kooperationsbereitschaft und das Akzeptieren und Einhalten von Regeln und Vereinbarungen erworben werden.

Finanzierung

Mit dem Leistungsträger wird im Rahmen der Hilfeplanung die Notwendigkeit der Intensiven Betreuung festgestellt und vereinbart.

Bei der Intensiven Betreuung  handelt es sich um ein Zusatzangebot, für das in unserer Entgeltvereinbarung ein gesonderter Entgeltbestandteil vereinbart ist.

Personelle Ausstattung

Die pädagogische Förderung erfolgt mit einer zusätzlichen personellen Besetzung von 1,0 sozialpädagogischen Fachkräften im Verhältnis zu 1 jungen Menschen oder, je nach Vereinbarung zwischen allen Beteiligten, einer zusätzlichen personellen Besetzung von 0,5 Erziehungshelfer im Verhältnis zu 1 jungen Menschen.

Dies bedeutet in der Praxis bei einer Vollzeitkraft abzüglich Urlaub, Krankheit etc. einen durchschnittlichen Umfang von 30,5 Stunden pro Kalenderwoche, bei einer Teilzeitkraft mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden einen durchschnittlichen Umfang von 16 Stunden pro Kalenderwoche.

Arbeitsweise / Methodik

Dem Kind / dem Jugendlichen wird – je nach Vereinbarung entweder als Vollzeit- oder als 20 Stundenkraft  – ein Bezugsbetreuer zur Seite gestellt. Trotz der extremen Problematik wird unserem Leitbild entsprechend ein respektvoller, wertschätzender Umgang durch die pädagogische Fachkraft vorgelebt.

Durch diese personelle Verstärkung können je nach individuell formuliertem Hilfebedarf als Leistungen u.a. erbracht werden:

  • beim zusätzlichen Einsatz einer Vollzeitkraft: Schulbegleitung oder Teilnahme an der Maßnahme „Schulische Integration“
  • durch Begleitung und damit einhergehender sofortiger Reflexion wird die Teilnahme an Dingen des öffentlichen Lebens und an gruppenübergreifenden Angeboten ermöglicht (Veranstaltungen, Teilnahme an AGs…)
  • bei Bedarf erfolgt eine konzentrierte Angehörigenarbeit (begleitete Besuche in die Herkunftsfamilie, Begleitung von Besuchen der Angehörigen vor Ort)
  • je nach Möglichkeiten des Kindes / des Jugendlichen finden intensive Einzelgespräche mit therapeutischem Hintergrund statt
  • in Einzelsituationen wird das Kind / der Jugendliche gezielt gefördert, werden Ressourcen dabei genutzt, Schwächen schrittweise thematisiert
  • durch allmähliches Miteinbeziehen einzelner Wohngruppenmitglieder in die Situationen der intensiven Betreuung kann die Gruppenfähigkeit des Kindes  / des Jugendlichen verbessert und seine Integration in die Wohngruppe erreicht werden.

Bei der Intensiven Betreuung ist der Tagesablauf für das Kind / den Jugendlichen besonders stark strukturiert.

Die Einhaltung von Regeln und die positive Verstärkung jeder geringfügigen (pro-) sozialen Tendenz haben in der Förderung eine wichtige Bedeutung.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem heilpädagogischen und psychologischen Dienst des Jugendhilfebereiches.

Die genauen Inhalte des Zusatzangebotes „Intensive Betreuung“ werden in der Hilfeplanung vereinbart. Die Dauer der Intensiven Betreuung wird individuell festgelegt und orientiert sich an den jeweiligen Problemsituationen des Einzelnen. Grundsätzlich gilt: „So kurz wie möglich, solang wie nötig!"

Der Verlauf der zusätzlichen Betreuungsleistungen wird dokumentiert und im Entwicklungsbericht gesondert dargestellt.

Fazit

Ziel unseres Zusatzangebotes „Intensive Betreuung“ ist es, sich selbst wieder  aufzuheben, d.h. überflüssig zu machen. Am Ende der Intensiven Betreuung steht die Ablösung des Kindes / Jugendlichen von der Intensiven Betreuung.

In Absprache mit allen Beteiligten wird die Dauer der IB-Maßnahme vereinbart, dies kann ein halbes Jahr bedeuten, aber auch in extremen Fällen über mehrere Jahre notwendig sein, um dem Kind / dem Jugendlichen überhaupt das Leben in einer Wohngruppe oder die Teilnahme an Dingen des öffentlichen Lebens zu ermöglichen.