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Wohngruppe Höxmark

Der Selbstverständlichkeit zugrunde liegt das verständliche Selbst

(A. Reiske)

1. Örtliche Lage und räumliche Ausgestaltung

Die Wohngruppe Höxmark liegt in Nähe des Dorfes Karby. In dieser kleinen Gemeinde befinden sich Allgemeinärzte, eine Zahnärztin, ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker sowie eine Sparkasse. Der Sportverein, die Kirchengemeinde, die soziale und kulturelle Arbeit der Gemeinde, die freiwillige Feuerwehr u.a.m. schaffen mit ihren unterschiedlichen Angeboten eine lebendige Kultur. Zur drei Kilometer entfernten Ostsee führt ein Fahrradweg, der Ferienort Schönhagen ist insbesondere im Sommer ein von vielen Touristen, aber auch Einheimischen genutzter Ort der Erholung.

Die Kleinstadt Kappeln liegt acht Kilometer entfernt. Dort sind die verschiedenen Schulformen zu finden, ein Berufs- und Bildungszentrum ist ebenso gegeben wie die verschieden Beratungs- und Hilfsangebote. Es gibt hier, in der Umgebung viele verschiedene mittelständische Unternehmen, mehrere kleine Werften sowie eine Landwirtschaft, welche häufig noch als Familienunternehmen geführt wird.

Ebenfalls in Kappeln ansässig sind die Kappelner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, eine enge Zusammenarbeit ergibt sich aus dem konzeptionellen Selbstverständnis der Einrichtung.

Die Wohngruppe Höxmark bietet neun Bewohnern beiderlei Geschlechts Einzelzimmer, welche auf zwei Etagen verteilt sind. Diese Räume können in Absprache mit den Jugendlichen mit eigenen Sachen eingerichtet, gestaltet werden, werden somit Ausdruck der Individualität des Einzelnen, Ausdruck seines Lebensstils, sowie Vorbereitung auf ein angestrebtes Leben in eigenem Wohnraum.

Es stehen ein großes Esszimmer, ein Wohnraum, ein offenes Büro, ein „Spiel- und Medienraum“ ebenso zur Verfügung wie dieKüche, die Sanitärräume, das Wäschezimmer.

Das Haus verfügt über ein großes Freigelände, welches für unterschiedliche Aktivitäten genutzt werden kann. Auf diesem Gelände gibt es auch einen Fahrradschuppen mit Werkstatt.

2. Betreuter Personenkreis

Die Wohngruppe Höxmark ist ein Angebot für Jugendliche beiderlei Geschlechtes ab 16 Jahren, in Ausnahmefällen ab 14 Jahren. Aufgrund der „Alleinlage“ des Hauses bietet es insbesondere Schutz für Menschen mit traumatischen Erfahrungen, lässt die Möglichkeit eines selbstbestimmten Gestaltens, einer „eigenen Geschwindigkeit“ zu.

Auch bietet diese Gruppe Raum für junge Menschen, welche in ihrem Autonomiebestreben gegebene Strukturen verneinen, ausbrechen, dies verbunden mit den dann häufig auftretenden unterschiedlichen Begleiterscheinungen.

Die Wohngruppe Höxmark ist auch ein Angebot für die Jugendlichen, jungen Erwachsenen, welche mit einer selbst verantworteten Gestaltung ihres Alltages noch überfordert sind, welche lebenspraktische Defizite aufweisen, eine noch intensivere Anleitung benötigen.

Es ist ein Angebot für junge Menschen, welche aufgrund einer Risikobereitschaft noch eines intensiveren Kontrollrahmens bedürfen. Als erreichbares Ziel wird aber auch hier für die zukünftige Entwicklung die Möglichkeit zur Überleitung in die weitere Verselbstständigung vorausgesetzt.

Auch finden hier Jugendliche Unterstützung, die noch keine ausreichende Orientierung im Schul- oder Ausbildungsbereich entwickeln konnten, Jugendliche, die im Alltag eine Begleitung bedürfen.

3. Ziele und Inhalte der Betreuungsarbeit

Ein Grundgedanke unseres Angebotes basiert auf der Erkenntnis, dass es nicht gelingen kann, die erlebten negativen, destruktiven Lebenserfahrungen ungeschehen machen zu können. Diese lassen sich jedoch durch positive, neue, eigene Erfahrungen, ein Leben welches an Selbstbestimmung gewinnt, ergänzen. Dies bedeutet eine Annahme des Einzelnen, eine Ablehnung der Reduzierung auf systembedingte Entwicklungen, ein (Wieder-)entdecken und Bestärken der eigenen Ressourcen.

Aus unserem Leitbild stammt folgendes Zitat:

“Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch mit seinem Anspruch auf individuelle Hilfe, Selbstverwirklichung und Integration.“

Der bei uns lebende Jugendliche wird als einzigartig verstanden, die ihm zukommende Begleitung ist individuell und transparent, bezieht ihn mit ein, befähigt ihn zu eigenen tragfähigen Entscheidungen, stärkt seine Autonomie. Bewusst ist uns in unserem Handeln, dass eine Selbstverwirklichung nur möglich ist in einem Geschehen, welches ein „Ausprobieren“ ermöglicht und fördert, ein Scheitern begleitet, gemeinsam an Alternativen arbeitet, zum Handeln ermutigt, Konflikte bewusst austrägt. Deutlich ist uns ebenfalls, dass eine Integration eine bewusste, selbstbestimmte Entscheidung des Einzelnen, der sinngebenden Entwicklung einer individuellen Perspektive bedarf.

Im alltäglichen Leben bedeutet dies, dass der zu uns kommende Jugendliche, junge Erwachsene auf ein offenes, veränderbares System trifft, welches er gestalten und beeinflussen kann. Die im Haus geltenden Regeln betreffen das Zusammenleben, sind eingerichtet zum Schutz der hier Lebenden, sollen gewährleisten, dass der Einzelne an einem schulischen oder beruflichen Alltag teilnehmen kann und stellen somit einen flexiblen Rahmen dar, der den Bewohnern Einflussnahme und Entscheidungsmöglichkeiten auf demokratischer Ebene ermöglicht.

In der Wohngruppe Höxmark verzichten wir bewusst auf eine hauswirtschaftliche Versorgung, alltagspraktische und hauswirtschaftliche Notwendigkeiten erhalten somit ihre Ursprünglichkeit zurück, dass Fördern der Selbstständigkeit ist Bestandteil des alltäglichen Leben. Dies beinhaltet den gemeinsamen Einkauf, die Zubereitung der Mahlzeiten ebenso wie die Pflege der Wäsche, die Pflege und Gestaltung der Räumlichkeiten, des Außenbereiches der Wohngruppe. Eine Alltagsorientierung, die Einbettung erzieherischen Handels ergibt sich aus den natürlichen Tagesabläufen, dem Alltagsgeschehen. Somit ist das tägliche Miteinander ausgerichtet auf die Entwicklung einer eigenverantwortlichen Lebensführung und zu verstehen als Vorstufe auf eine Betreuung in einer Wohngruppe des Betreuungsverbundes "Haus Schwansen".

Bei den bei uns lebenden Menschen ist in der Regel eine Rückführung in das Elternhaus ausgeschlossen, eine „auf Dauer angelegte Lebensperspektive muss erarbeitet werden“ (§ 37 SGB VIII ). Dies erfordert zwingend die Mitarbeit des jungen Menschen, erfordert eine individuelle Hilfe, abhängig von den Ressourcen, dem tatsächlichen Entwicklungsstand des Einzelnen.

Eine Veränderung der Aufgabe des Mitarbeiters vom Erziehenden zum Beratenden ergibt sich aus diesem Prozess.

Unsere Tätigkeit hat zum Ziel dem Einzelnen Raum und Zeit, Unterstützung und Hilfe bei der Persönlichkeitsentwicklung zu geben. Weitere Ziele sind:

- Förderung der eigenen Kompetenzen

- Erlernen von Lösungsstrategien in Konflikten

- Förderung der Integration in das soziale Umfeld

- Hilfen bei der Aufarbeitung individueller Sozialisations- und Verhaltensauffälligkeiten

- die Wahrnehmung einer angemessenen Bildung

- die Inanspruchnahme einer Begleitung und Unterstützung während des Berufsfindungsprozesses, des Berufsbildungsprozesses

- die wirtschaftliche Verselbstständigung.

Eine intensive Vorbereitung „auf ein selbstständiges Leben“, eine „Beratung und Unterstützung in Fragen der allgemeinen Lebensführung“ (§ 34 SGB VIII ) ist durch die Umsetzung folgender Ziele möglich:

- Erwerb lebenspraktischer Fähigkeiten wie beispielsweise die Zubereitung von Speisen, die Pflege der Wäsche, der genutzten Räumlichkeiten,

- Erreichung einer eigenen Mobilität

- Kennen lernen und Nutzen der verschiedenen Hilfsangebote in schwierigen Situationen, bei persönlichen Krisen.

- Erlernen eines verantwortlichen Umganges mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.

- Organisation des Alltages

- Konfrontation mit „Alleinsein", "Einsamkeit“

- Vermitteln von Wissen, Lösungsstrategien zur Sicherung des Lebensunterhaltes

- Sexualberatung, Aufklärung

- Suchtprävention

Die einzelnen, individuell angepassten Ziele werden mit dem Jugendlichen, jungen Erwachsenen besprochen, reflektiert, werden bei der Hilfeplanung benannt und überprüft.

4. Schlusswort

Elementare Lern- und Entwicklungsschritte, das Finden eines eigenen Weges sind nur möglich in einem Umfeld, welches ein „Scheitern“, welches Wege und Umwege, Neuorientierungen möglich macht, sind nur möglich an einem Ort, welches „Zeit“ hat und lässt, nicht behandelt, sondern annimmt.

Das Haus Höxmark versteht sich als ein solcher Ort, als ein lebendiger, mit jedem bei uns lebenden Jugendlichen lernender, sich verändernder Ort.

Das Team der Wohngruppe Höxmark