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Neptun 1 und 2

Betreuungsverbund Neptun

Der Betreuungsverbund Neptun besteht aus zwei Gruppenhäusern, Haus Neptun 1 wurde im Jahr 2006 vollständig renoviert. Haus Neptun 2 entstand im Jahr 2012 aus einem ehemaligen Schulgebäude, welches komplett um- und ausgebaut wurde.

Das Betreuungsangebot richtet sich an männliche Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis zur Volljährigkeit und ggf. darüber hinaus.

1. Örtliche Lage und räumliche Ausgestaltung

Beide Gruppenhäuser befinden sich auf einem weitläufigen Gelände in Sundsacker, direkt an der Schlei. Dieses bietet viel Platz für Sport, Spiel und Spaß. Auch kleine stille Ecken zum Rückzug sind in der Umgebung der Gruppenhäuser vorhanden. Ein Sport- und Bolzplatz, sowie eine Turnhalle stehen der Gruppe in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. In 3,5 Kilometer Entfernung liegt das Dorf Karby mit einer guten Infrastruktur sowie sieben Kilometer entfernt die Stadt Kappeln.

Im Haus Neptun 1 stehen den Jungen vier Doppel- und zwei Einzelzimmer zur individuellen Gestaltung ihres Lebensraumes zur Verfügung. Ein großer Gemeinschaftsraum, ein Heimwerkraum, Hauswirtschaftsräume sowie drei gemeinschaftlich genutzte Duschbäder und ein Büro komplettieren das Gruppenhaus. Im Souterrain befindet sich ein Apartment, in dem Einzelförderungen, Besprechungen und  Arbeitsgemeinschaften durchgeführt werden können.

Im Haus Neptun 2 befinden sich im Erdgeschoss vier Einzel- und ein Doppelzimmer, sowie ein großzügiges Foyer, das mit dem angrenzenden Wohnbereich das Zentrum darstellt. Eine Wohnküche mit Nebengelass, ein Büro, ein Duschbad mit WC, ein separates WC, eine Dusche und ein behindertengerechtes WC sowie ein Abstellraum komplettieren die untere Etage des Hauses.

Im Obergeschoß befinden sich neben einer großzügigen Wohnküche, die mit dem Wohnbereich hier das Zentrum darstellt, ein Doppel- sowie sechs Einzelzimmer. Zwei Duschbäder sowie drei separate WC stehen zur Verfügung. Ein weiterer Raum steht nötigenfalls als zweites Erzieherzimmer zur Verfügung.

2. Betreuter Personenkreis

Im Haus Neptun 1 werden die jüngeren Jungen aufgenommen und gefördert, dies kann auch schon im Vorschulalter erfolgen.

Die Gruppe des Hauses ist heterogen zusammengesetzt, das intellektuelle Niveau reicht von normal begabt bis zur leichten geistigen Behinderung.  Fehlende Kompetenzen der Eltern oder andere Erziehungsprobleme, Einschränkungen im geistigen und körperlichen Bereich (leichte geistige Behinderung, Störung im Autismus Spektrum, ADHS) sowie Auffälligkeiten im sozialen Zusammenleben und/oder andere Problemlagen, die im Rahmen eines familiären Systems die Erziehung beeinträchtigen, können die Gründe für eine Aufnahme in das Haus Neptun 1 sein.

Das Angebot des Hauses Neptun 2 richtet sich vorwiegend an Jugendliche, die einer wie imNeptun 1 vorgegebenen eng strukturierten und von Verlässlichkeit geprägten Gemeinschaft entwachsen sind, um über eine enge Begleitung im Bezugsbetreuersystem der Jugendhilfe ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen individuell erweitern zu können. Ebenso können Jugendliche aufgenommen werden, die bisher aus individuellen Gründen, wie Erziehungsüberforderung der Eltern, leichter geistiger Behinderung, Störung im Autismusspektrum, psychischen Belastungssituationen und/oder Erkrankungen in einem familiären oder anderweitigen Jugendhilfekontext nicht oder nur unzureichend betreut und gefördert werden konnten.

Auf außergewöhnlichen Hilfebedarf einzelner Bewohner der Häuser wird im Rahmen von Zusatzvereinbarungen mit Leistungsträgern personell eingegangen. Dies ermöglicht entweder die Integration in eine Gemeinschaft über Beziehungsarbeit, Integration in eine Kleingruppe und die folgende Integration in die Gesamtgruppe oder die zielgerichtete Unterstützung bei der Entwicklung von Mündigkeit und Eigenständigkeit.

Das Angebot der intensiven Einzelbetreuung gilt für Kinder und Jugendliche, welche aufgrund ihrer besonderen Problematik bisher nicht oder nur teilweise in einen anerkannten sozialen Kontext integriert werden konnten. Die inhaltliche Ausgestaltung der Hilfe richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Bewohners und wird im Rahmen der Hilfeplanung gemeinsam mit Leistungsträgern, dem Betreuten und Eltern/gesetzlichen Vertretern definiert.  Alle Einzelmaßnahmen sind in enger Absprache mit Hausleitung,  Bereichsleitung sowie psychologischem Dienst des Jugendhilfebereichs koordiniert.

3. Ziele und Inhalte der Betreuungsarbeit

Die Bewohner der Neptungruppen erwerben und erweitern Kompetenzen in verschiedenen sozialen Bereichen. So stehen Konfliktlösung, das Erfahren und Pflegen von Beziehungen zu anderen Kindern/Jugendlichen und zu Erwachsenen, sowie die Entdeckung und Förderung des eigenen geistigen und körperlichen Potenzials im Vordergrund der pädagogischen Arbeit. Eventuell vorhandene Grenzen im Bereich Koordination und Wahrnehmung werden erweitert, das Äußern und Erfüllen von eigenen Wünschen und Zielen wird erlernt, sowie die Fähigkeiten Bedürfnisse eines Anderen zu erkennen und im eigenen Handeln zu berücksichtigen geweckt und intensiv in das soziale Miteinander eingebunden.

Die Umsetzung dieser pädagogischen Aufgaben unterscheidet sich bei den beiden Neptunhäusern.

Ein Junge, der in das Haus Neptun 1 einzieht, hat dieses - wenn möglich - vorher durch Besuche und Gespräche kennengelernt. Ihm werden bei Einzug ein Betreuer und ein anderer Junge zum weiteren Kennenlernen an die Seite gestellt. Die ersten Wochen sind vom Vermitteln der grundlegenden Regeln im Zusammenleben geprägt, Beobachtungen werden gemacht und in einem kurzen Förderplan die ersten Schritte für die mittlere Zukunft geplant. Je nach Fähigkeiten und Grundlagen, die das Kind mitbringt, wird eine geeignete Schulform gefunden. Diese kann sein die Albert Schweitzer Schule in Sundsacker, die Grundschulen in Karby und Kappeln oder zunächst unser Zusatzangebot „Schulische Integration“.

Die Jungen im Haus Neptun 1 sind fest in einen Plan zur Unterstützung der Gemeinschaft eingebunden. Es bestehen feste Zeiten für den Tagesablauf. Dies bietet gerade Kindern, die unzuverlässige Versorgung kennenlernen mussten, einen großen Halt. Auch Kinder mit autistischen Zügen oder einer ADHS-Problematik profitieren von einer festen und recht starren Struktur. Die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten werden in entsprechenden Abständen mit in die Struktur eingewoben. Zum allgemeinen Verständnis dienen unter anderem Pläne mit Piktogrammen. Diese werden gemeinsam mit den Jungen entwickelt und besprochen. Gerade in den Jahren der Kindheit spielen Struktur, verlässliche Versorgung sowie Halt und Wärme in den Beziehungen eine zentrale Rolle in der Entwicklung. Hierauf wird insbesondere im HausNeptun 1 sehr viel Wert gelegt. Ein Kind des Hauses entdeckt und fördert seine eigene Individualität gestützt auf einen engen Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft, die ihn trägt.

Im Haus Neptun 2 wird mit dem gestiegenen Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Abgrenzung der Jugendlichen der Hauptschwerpunkt auf die gesellschaftskonforme Gestaltung dieser Vorstellungen gelegt. Hier spielt das individuelle Gespräch, eine verlässliche Beziehung zu den Betreuern und das Einräumen von entwicklungsstandabhängigen Freiräumen eine große Rolle. Auf Mobilität wird Wert gelegt um u.a. Freundschaften nach außen unterhalten zu können, Belange des kleinen persönlichen Bedarfs selbstgesteuert bewältigen zu können und wenn nötig auch mal alleine für sich ein wenig „den Wind im Haar zu spüren“.

Das Ausbilden von eigenen Wert- und Moralvorstellungen, die individuelle Gestaltung von sozialen Fähigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen, aber auch jüngeren Menschen und Erwachsenen wird aktiv durch die Erzieher gefördert. Wichtig bei der Umsetzung der eigenen Vorstellungen ist das Abwehren von Gefahren jeglicher Art, insbesondere durch Drogen- und Alkoholkonsum, Kleinkriminalität und Vandalismus und sexueller Übergriffe durch fremde Dritte oder durch bekannte Personen des näheren Umfelds. Dieses stellt einen weiteren Schwerpunkt in der pädagogischen Arbeit der Erzieher im HausNeptun2dar. Bei allen widrigen Umständen, die das Leben für einen jungen Menschen vorhält und bei denen er bestmöglich begleitet wird, stehen jedoch die Freude am Leben, das Heranwachsen mit seinen spannenden und erfahrungsreichen Erlebnissen sowie eine zuverlässige Versorgung u.a. mit Liebe, Geborgenheit aber auch Reibungspunkten im Vordergrund.

Eine auf größtmögliche Selbstständigkeit in der Lebensführung ausgelegte pädagogische Arbeit bezieht ab einem individuellen und von der jeweiligen Entwicklung des Jungen abhängigen Zeitpunkt die Anbahnung an eine Selbstversorgung mit ein. Es werden nicht nur grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Haushaltsgeräten zu vermitteln sein, sondern auch Verantwortungsübernahme bei der eigenen Tagesstruktur, dem Wahrnehmen von Verpflichtungen im Bereich Schule und Ausbildung sowie das Einhalten von Absprachen und Terminen. Das Erlernen von grundlegenden Fähigkeiten beim Beschaffen und Zubereiten von leckeren und ausgewogenen Mahlzeiten, sowie die Planung der eigenen Freizeit sind hier Teil der konzeptionellen Arbeit im HausNeptun2. Die sächliche und räumliche Ausstattung bietet im Obergeschoss des Gruppenhauses die Möglichkeit sich selbst zu versorgen.

Die Übernahme von Verantwortung für ein anderes Lebewesen kann im Haus Neptun 2 durch das artgerechte Halten eines Haustieres, das außerhalb des Wohnhauses in entsprechenden Räumlichkeiten untergebracht ist, trainiert werden. Jemanden hin und wieder in den Arm zu nehmen, ihm sein Lieblingsfutter zu besorgen oder einfach nur ein paar Worte und Liebkosungen zukommen zu lassen, kann im Leben eines Jugendlichen eine unverzichtbare Bereicherung sein. Diese Möglichkeit wird mit Hilfe der Erzieher geschaffen.

In beiden Häusern werden Angebote zur Gestaltung der Freizeit im Rahmen der Gruppenaktivitäten und Einzelmaßnahmen unterbreitet. Ziel in beiden Häusern ist es, den jeweiligen Jungen in Aktivitäten und Vereine auch außerhalb der Einrichtung zu integrieren. Die Möglichkeit, Freunde einzuladen und gemeinsam auch mit den anderen Bewohnern der Gruppe zu spielen wird geschaffen. Immer ist die steuernde Anwesenheit eines Erziehers gegeben. Sofortige Rückmeldung bei Fehlverhalten und das Trainieren von angemessener Ansprache und des richtigen Umgangs untereinander sind Grundlage. Hierbei werden sportliche, spielerische sowie gestalterisch/kreative Angebote unterbreitet. Der Konsum elektronischer Unterhaltungsmedien ist reglementiert und wird an die individuellen Fähigkeiten des Jungen im Umgang mit diesen angepasst.

Um zu erreichen, dass die unterschiedlichen Strukturen der beiden Neptunhäuser verinnerlicht werden, belastbare Beziehungen zu den Mitbewohnern und Erziehern der Gruppe aufgebaut werden und individuell für den jeweiligen Betreuten ein angemessener Rahmen im Bereich Lernen und Leben gefunden wird, kommen mehrere Methoden zum Einsatz:

  • Die gesundheitlich/therapeutische Begleitung, hierbei besteht enger Kontakt zu Kinderärzten, Fachärzten, Therapeuten in der Umgebung sowie zu unserem Psychologischen Dienst
  • Die biographische Arbeit mit dem Bewohner und der Herkunftsfamilie; den Eltern wird ein Beratungsangebot unterbreitet und ein entsprechend den Umständen ausgearbeiteter Erziehungsleitfaden vermittelt
  • Eine fortlaufende tägliche Dokumentation des Erziehungsgeschehens dient der Planung der weiteren Förderung sowie dem Erkennen und Benennen des individuellen Fortschritts
  • Es besteht kontinuierlicher Kontakt zum ASD des jeweiligen Jugendamtes, ggf. zu Amtsvormunden, Lehrern, Trainern und allen an der Hilfe Beteiligten
  • Jeden Abend finden Gruppenreflexionsrunden statt. Das Erlebte und das Verhalten jedes Jungen können mit ihm und der Gruppe besprochen werden.
  • Monatliche Betreutenteams dienen dem Ansprechen und Behandeln von Problemen, dem Äußern von Wünschen und dem Planen von gemeinsamen Aktivitäten. Jedes Haus der GruppeNeptunstellt einen aus den eigenen Reihen gewählten Gruppensprecher, der bei den entsprechenden Gremien der Jugendhilfe im St. Nicolaiheim die Interessen der Bewohner des Hauses vertreten kann. Die Bewohner erleben hierdurch einen Raum, in dem sie ihre Belange äußern können
  • In Rollenspielen wird richtiges Verhalten beim Auftreten von Konflikten trainiert
  • Die Einbindung in den Alltag der Umgebung wird bei kleinen Ausflügen, dem Begleiten beim Einkauf oder der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen ermöglicht
  • Alters- und entwicklungsgerecht wird durch gezeigte Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit Vertrauen zwischen den Bewohnern und den Erziehern aufgebaut. Die Kollegen der Gruppenhäuser arbeiten im gleichen Rahmen und sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden können. Grundlagen sind eine positive Kommunikation, die Teilnahme an individuell ausgerichteten Fortbildungen, tägliche Übergabegespräche und regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen.

Einmal jährlich findet eine Klausurtagung des Gesamtteams statt. Die Bereitschaft zur Supervision und zu Fallgesprächen ist gegeben.

4. Schlusswort

Ein altersgerechtes Aufwachsen soll nach den bestehenden Fähigkeiten und den Möglichkeiten der Umgebung gewährleistet werden. Hierfür setzen sich die Mitarbeiter der Wohngruppen Neptun1 und 2 in ihrer täglichen Arbeit ein. Auch wenn originelle Verhaltensweisen eines Jungen das Zusammenleben mit ihm massiv erschweren, soll ihm die Möglichkeit einer positiven Entwicklung gegeben werden. Eine über Jahre hinweg bestehende Beziehung und die strukturierte Begleitung bei der Entwicklung dienen als Grundlage für weitere Schritte eines Kindes zum Jugendlichen. Die Begleitung eines jungen Menschen durch die verschiedenen Phasen seines Lebens kann im Betreuungsverbund Neptun durch die sächliche und personelle Ausstattung und durch tragfähige und von Vertrauen geprägte Beziehungen zu den Betreuern über Jahre erfolgen. Nachfolgende Wohnumgebungen und Lebensverhältnisse stehen im Rahmen des St. Nicolaiheim e.V. zur Verfügung. Die Rückkehr in das Elternhaus besteht als Option selbstredend ebenso.

Das Team der Gruppen Neptun