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Grundlagen unserer JH-Arbeit

Ein wichtiges Ziel ist die Entwicklung und Förderung der Selbstbestimmung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Dies schließt auch die sexuelle Selbstbestimmung mit ein. Seit Beginn des Jahres 2012 verfügt der Verein daher auch über eine Sexualpädagogische Konzeption, in der diese Punkte Berücksichtigung und Anwendung finden. Hier ist das Recht eines jeden Bewohners auf sexuelle Selbstbestimmung festgelegt und wie dieses Ziel in der Praxis umgesetzt werden kann. Neben einem klaren Umgang mit Nähe und Distanz und der Wahrung der Intimsphäre liegt auch ein Schwerpunkt auf dem Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Selbstbestimmung bedeutet für uns auch, dass die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen über ihre Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten informiert sind und diese gewahrt werden (siehe den Punkt „Partizipation und Beschwerdemöglichkeiten“).

Eine Etablierung „sicherer Orte“ und eine „Kultur der Grenzachtung“ sind für uns zentrale Bausteine unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Vergangenheit häufig komplexe Traumatisierungen erfahren haben und jetzt mehr als ein Recht darauf haben, sich sicher und wohl zu fühlen. 

Dabei bestimmt die Einzigartigkeit eines jeden Menschen unter Berücksichtigung seiner Wünsche/ Bedürfnisse/ Ressourcen unser Tun und Handeln.  

Die Kinder und Jugendlichen erhalten einen Bezugsbetreuer, wobei sie hierbei, soweit möglich, Mitspracherecht haben. Im Bedarfsfall kann auch ein Bezugsbetreuerwechsel stattfinden.

Für die Kinder und Jugendlichen sind die anderen Wohngruppen der Jugendhilfe Anlaufstellen, um soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen und vielleicht auch hier Ansprechpartner für ihre Belange zu finden.

Partizipations- und Beschwerdemöglichkeiten

Kinderrechte werden bei uns im wahrsten Sinne des Wortes „groß geschrieben“: Dazu hat jede Gruppe - wenn möglich mit den Kindern und Jugendlichen - die wichtigsten Kinderrechte in Plakatform für alle gut lesbar aufgeschrieben und - gerade für die Jüngeren - mit dazu passenden Zeichnungen graphisch unterlegt.

Bei Einzug in die Wohngruppe wird der Neuankömmling über diese Rechte informiert und alle pädagogischen MitarbeiterInnen achten auf eine Wahrung dieser Rechte.

In mindestens monatlichen Abständen werden in allen Gruppen sogenannte Betreutenteams durchgeführt. Hier haben die Bewohner die Möglichkeit, Wünsche zu äußern, Entscheidungen mitzutreffen und sich zu beschweren. Dieses Mitsprachrecht kann von Alltagsangelegenheiten wie der Planung des Einkaufs und der Freizeitaktivitäten bis zu einer Veränderung der Gruppenregeln reichen. An den Betreutenteams nehmen auch - je nach Themenlage - ein oder mehrere Erzieher ggf. auch der Psychologische Dienst teil. Möglichst durch einen Bewohner wird ein Protokoll verfasst, das der Bereichsleitung zugemailt wird, um so direkt auf Anliegen oder Unzufriedenheiten aufmerksam machen zu können.

Kann ein Anliegen nicht im Betreutenteam geklärt werden, so kann sich der von den Bewohnern gewählte Gruppensprecher entweder an den Pädagogischen sowie den Psychologischen Dienst oder an die Bereichsleitung wenden. Dieses Recht steht selbstverständlich auch jedem einzelnen Kind/ Jugendlichen zu.

In jedem Gruppenteam wird eine sozialpädagogische Fachkraft intern zum Sozialkompetenztrainer geschult, die wiederum i. d. R. den Gruppensprecher und einen weiteren Betreuten zum Streitschlichter ausbildet. Hierdurch und durch die anderen beschriebenen Maßnahmen soll bewirkt werden, dass im Jugendhilfebereich eine offene Gesprächs- und Diskussionskultur entsteht und Auseinandersetzungen fair geregelt werden.

Beschwerden, egal von wem sie formuliert werden, werden grundsätzlich ernst genommen. Je nach Art der Beschwerde werden die involvierten Personen beteiligt und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

In allen Gruppen sind an einem zentralen Ort und gut sichtbar wichtige Rufnummern aufgehängt, so dass jedes Kind im Ernstfall die Möglichkeit hat, sich telefonisch Hilfe zu erbitten. Neben den Telefonnummern von Polizei und Feuerwehr und den Nummern der internen Ansprechpartner - wie bereichsübergreifende Dienste und Bereichsleitung - sind hier auch die „Nummer gegen Kummer“ und die Telefonnummern von Beratungsstellen und dem Kinderschutz-Zentrum vermerkt.

Jede Gruppe verfügt zudem über einen Computer mit Internetzugang, sodass sich die Betreuten hier auch eigenständig und anonym Informationen beschaffen können.

Die Kinder und Jugendlichen sind an der Planung und Durchführung der Hilfeplangespräche beteiligt. Dazu wird mit ihnen gemeinsam im Vorfeld der Entwicklungsbericht gelesen und es werden nach Wunsch Veränderungen und Ergänzungen besprochen. In Vorbereitung auf den Termin wird das Kind oder der Jugendliche auf seine Möglichkeiten hingewiesen, beim Hilfeplangespräch auch Wünsche und Kritik zu äußern. Auch mögliche Sorgen oder Ängste können im Vorfeld thematisiert werden. Nach dem Hilfeplangespräch erfolgt eine Nachbereitung, in der dem Kind die wesentlichen Ergebnisse nochmals erklärt werden.

Mindestens einmal im Quartal lädt die Bereichsleitung alle Gruppensprecher zu einem Austausch - dem so genannten Jugendparlament - ein, es können dann Anliegen vorgebracht und Rückmeldungen darüber gegeben werden, wie die Rechte der Bewohner gewahrt werden und wie zufrieden die Kinder und Jugendlichen in den jeweiligen Gruppen sind.

Opferschutz, Schutzauftrag und Präventionsarbeit

In unserer Einrichtung stellt das Thema Opferschutz und Präventionsarbeit einen besonderen Schwerpunkt dar.
Ausgehend von der Überlegung, dass ein Großteil unserer Klientel zahlreiche Risikofaktoren erfüllt, Opfer sexualisierter oder anderer Formen von Gewalt zu werden und es bei vielen unserer Mädchen und Jungen in der Vorgeschichte bereits zu Traumatisierungen kam, wird ein besonderer Schwerpunkt in unserer pädagogischen Arbeit darin gesehen, geeignete Interventionsmaßnahmen zu installieren und auch verstärkt präventiv tätig zu werden.

So greifen verschiedene Präventionsmaßnahmen auf der Betreuten-Ebene. Unter dem Stichwort „Empowerment“ geht es um die Stärkung der Rechte der uns anvertrauten Menschen, um Angebote zur sexuellen Bildung und um eine Sensibilisierung für Grenzverletzungen.

Die MitarbeiterInnen werden in dieser Hinsicht entsprechend geschult durch gezielte Fortbildungsangebote und Beratung der Gruppenteams. Insgesamt gilt, dass die Verantwortung für den Schutz von Schwächeren in unseren Händen liegt.

Im Zusammenhang mit der Thematik des Opferschutzes hat sich unsere Einrichtung auch darauf eingestellt, adäquat mit sexuell deviantem Verhalten umzugehen, wenn es bei unseren Betreuten auftritt.

So gibt es zu dieser Thematik einen Jugendhilfe-Arbeitskreis „Schutzkonzepte".In diesem Arbeitskreis sind die Wohngruppen durch jeweils einen Mitarbeiter vertreten, mehrere von ihnen wurden durch eine von der pro familia - Beratungsstelle „Packhaus“ in Kiel durchgeführte Fortbildung über einen Zeitraum von 1,5 Jahren speziell zu dieser Problematik geschult. Zudem dienen diese MitarbeiterInnen auch als Ansprechpartner und Multiplikatoren, was die Umsetzung der Sexualpädagogischen Konzeption betrifft. 

Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. nehmen wir an einer Bundesweiten Fortbildungsoffensive teil, die von 2010 bis 2014 läuft. Ziel ist die Stärkung der Handlungsfähigkeit (Prävention und Intervention) von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe zur Verhinderung sexualisierter Gewalt. Die MitarbeiterInnen aus dem o. g. Arbeitskreis sowie ein weiterer Kollege aus den jeweiligen Teams nehmen an den Fortbildungen teil. Durchgeführt werden die Fortbildungen durch das Präventionsbüro PETZE in Kiel


Unsere Grundprämisse hierbei ist, dass eine professionelle, annehmende aber auch abgrenzende Arbeit vordergründig den besten Schutz für mögliche Opfer darstellt.

Werden sexuelle oder körperliche Übergriffe bekannt, werden diese in der Regel angezeigt und es erfolgt möglichst eine räumliche Trennung von Opfer und Täter. Es existieren für alle Mitarbeiter verbindliche Handlungsschritte, in denen festgelegt ist, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Diese Handlungsschritte hängen im Dienstzimmer aus und sind überdies im intranet verfügbar.

Wir achten die Jugendschutzbestimmungen und haben in Dienstanweisungen u. a. einen klaren Umgang mit Alkohol definiert.